Wasserversorgung und Brunnen

Die zentrale Wasserversorgung

Fürstenfeldbrucker Wochenblatt 15 Juli 1935

50 Jahre zentrale Wasserversorgung in Puchheim-Ort
(aus Festschrift zu 50 Jahre Wasserversorgung Puchheim-Ort 1936 – 1986;
Herausgeber: Wasserbeschaffungsverband Puchheim-Ort)

1934 Am 22. Juli versammeln sich 30 Hausbesitzer, um eine Wassergenossenschaft zu gründen.

1935 Am 13. Juli findet die Gründungsversammlung im Beisein des damaligen Bezirksamtmannes Sepp im Gasthaus Huber statt. 42 Anwesende sind für die Gründung, 7 dagegen. Vierzehn Tage später, bei der Vorstandwahl, sind es noch 26 Interessenten, denn man hat erfahren, dass jeder Anschlussnehmer ca. RM 1.000,– zu zahlen habe. Josef Wörl der die ganzen Vorarbeiten geleistet hat, wird zum 1. Vorsitzenden gewählt.

1936 Im Laufe des Jahres wird an Stelle des damaligen Sägewerkes Schmitt (Spiegl, Sägmüller) am Gröbenbach ein Pumphaus mit Wasserrad gebaut, das zum Antrieb der Pumpe gebraucht wird.
Gegenüber der Straße wird der 7 m tiefe Brunnen und am Parsberg ein Hochbehälter erstellt.
Der 27. Juni ist der große Tag für Puchheim-Ort: die gesamte Anlage wird eingeweiht.

1937 Im Herbst erstellt der Wasserverband Germering ebenfalls eine Wasserversorgung mit einem Hochbehälter neben dem vom Puchheim.
Unsere Anlage liefert an Germering das Wasser zum Kubikmeterpreis von ca. 4 Pfennig.

1938 Puchheim verbraucht 1/3 und Germering 2/3 des gepumpten Wassers.

1940 Bei der Hochwasserkatastrophe im Juni kann im letzten Augenblick von Vorstand Wörl die Sprengung der Pumpwerksanlage durch Pioniere verhindert werden. Es entsteht trotzdem ein Wasserschaden von RM 4.000.–.

1946 Der Germeringer Verband baut einen eigenen Brunnen mit Pumphaus zwischen Germering und Parsberg. Das von Puchheim nicht benötigte Wasser wird an Germering geliefert, für 1 Pfennig pro Kubikmeter.

1949 Es wird ein größeres Wasserrad und eine größere Kolbenpumpe eingebaut.

1961 Am 5. März scheidet der bisherige 1. Vorstand Josef Wörl nach 26jähriger, uneigennütziger und enormer Arbeit auf eigenen Wunsch aus der Vorstandschaft aus und wird von der gesamten Versammlung zum Ehrenvorstand ernannt. Johann Furtner wird 1. Vorsitzender.

1961– Bau der Hauptversorgungsleitung zur Fischerstraße, in der

1966 Hügelstraße, Schulweg, Kreuzstraße und Dorfstraße. Diese Leitungen werden aus Sparsamkeitsgründen in eigener Regie gebaut.

1964 Das Landratsamt , das Wasserwirtschaftsamt und das Gesundheitsamt wollen die Schließung des Brunnens an der Bahnhofstraße, da kein Wasserschutzgebiet mehr ausgewiesen werden kann.

1967 Einbau der Wasserzähler. Der Wasserpreis beträgt DM 0,20 pro Kubikmeter und die Zählergebühr DM 4,00 pro Jahr.

1968 Bau der Rohrleitung von der Hauptleitung an der Waldstraße zur
Augsburger Straße.

1970 Der Verband entschließt sich zum Bau eines neuen Brunnens 1971 mit Pumphaus am Holzkirchner Weg und einer langen Leitung zum Ortsnetz.

1972 Erstellung zusätzlicher Hauptleitungen zur Fischersiedlung, 

1981 Vogelsangstraße und Baugebiet 2 A und 2 B, Kirchstraße, Schulweg, 250 m Leitung von der Waldstraße zum Hochbehälter,
Alte Bergstraße, Renkenstraße, Bahnhofstraße und zur Behindertenwerkstätte

1983 Am 27. Februar nimmt Johann Furtner nach 22jähriger Tätigkeit
als 1. Vorsitzender seinen Abschied aus der Vorstandschaft. Für seinen selbstlosen Einsatz gebührt ihm großer Dank. Josef Fruth wird 1. Vor-sitzender.

1985 Im März schließt unser Verband mit dem WBV Germering einen Wasserlieferungsvertrag für Notsituationen ab und Germering stellt seinen Hochbehälter mit 150 Kubikmeter Fassungsvermögen unentgeltlich zur Verfügung.

Wussten Sie schon………
dass beim Bau der Wasserleitung 1936 alle Rohrgräben mit Schaufel und Pickel gegraben und wieder verfüllt wurden, ca. 2.500 Kubikmeter Erdreich, bei einem Arbeitslohn von RM 1,60 pro Kubikmeter.

dass für Handdienste (Kiesaufladen) für männliche Personen RM 4,00 und für weibliche Personen RM 3,00 pro Tag bezahlt wurde. Für Spann-dienste (Pferde und Ochsenfuhrwerke) wurden für Klasse I RM 11,00, für Klasse II RM 9,00 und für Klasse III RM 7,00 pro Tag bezahlt.

dass als Anschlussgebühr damals RM 150,00 und pro Anteil RM 15,00 bezahlt werden mussten.

dass der Wasserpreis damals nach Anteilen gerechnet wurde,
1 Anteil =1 Person oder 1 Stück Großvieh oder 5 Stück Jungrinder (Rinder unter 1 Jahr), Kleinvieh (Schweine, Ziegen, Saugkälber Saugferkel) zählte nicht als Anteil, 1 Anteil = DM 0,40 und DM 4,00 Grundgebühr im Jahr (von 1948 bis 1961).

dass seit 1968 der Kubikmeter Wasser DM 0,20 kostete.

Die Pläne zur Wasserversorgung von 1934

Park mit Brunnenanlage

Die Brunnenanlage des Obst- und Gartenbauvereins
(aus der Festschrift zum 75jährigen Gründungsfest des Obst- und Gartenbauvereines Puchheim-Ort 1911 – 1986
verfasst und zusammengestellt von Johann Aichner)

Eine Anlage, deren Mittelpunkt der „Josef-Wörl-Brunnen“ bildet, hat der Obst- und Gartenbauverein an der Alten Bahnhofstraße geschaffen. Am 23. Juni 1985 fand die Einweihung statt, anschließend feierten rd. 300 Gäste beim Frühschoppen im benachbarten Spiegl-Anwesen dieses gelungene Werk.

Die Idee zu einer dörflichen Anlage wurde bereits von rund 2 Jahrzehnten geboren. Emil Sollinger, von 1963 bis 1984 über 21 Jahre Vorstand des Vereins, hatte es sich schon zu Beginn seiner Vorstandstätigkeiten zur Aufgabe gemacht, einen Dorfplatz, respektive eine ansprechende Anlage für den Ort zu schaffen. Erst Mitte der 70er Jahre konnten dann allerdings auf dem von der Gemeinde überlassenen Grundstück an der Alten Bahnhofstraße die ersten Pflanzungen vorgenommen werden. Seit Anfang der 70er Jahre wurde der dort befindliche Flachbrunnen des Wasserbeschaffungsverbandes nicht mehr zur örtlichen Wasserversorgung benötigt. Dem Obst- und Gartenbauverein bot sich dadurch die Möglichkeit, auch noch eine Brunnenanlage zu errichten. So wurde in vielen freiwilligen Arbeitsstunden der Vereinsmitglieder und unter fachkundiger Mithilfe von Bauhofchef Sepp Hartl, die Brunnenanlage geschaffen. Die Gemeinde übernahm es schließlich noch, den kleinen Wasserlauf, der beide Brunnen verbindet, mit einer Holzbrücke im „Puchheimer Stil“ zu überbrücken. 

Die Brunnenanlage selbst ist einer besonderen Betrachtung wert. Nicht von einem Künstler geschaffen, haftet ihr doch in mehrfacher Hinsicht Einmaligkeit an. Da ist die wasserspeiende „Steinerne Ente“ die von einer Münchner Baugesellschaft erworben wurde. Diese Ente wiederum „schwimmt“ in einem kleinen mit Pflastersteinen ausgeformten Teich. Das Ganze ist auch ein Wasserspielplatz für die Kinder.

Gegenüber der Brücke dann der „Josef-Wörl-Brunnen“, ein zierlicher Springbrunnen in Gestalt eines Findlings. Der Namensgeber dieses Brunnens, Josef Wörl, war von 1934 bis zu seinem Tode 1961 Vorstand des Obst- und Gartenbauvereins. Er war ferner der Mann, der im Ort maßgeblich an der Schaffung der zentralen Wasserversorgung mitwirkte und der jahrelang auch Vorsitzender des Wasserbeschaffungsverbandes war. Und damit soll auch von der Wasserversorgung der Brunnenanlage die Rede sein, die schon ein wenig als historisch-technisches Wunderwerk bezeichnet werden kann. Die Brunnen werden nämlich von der inzwischen 50 Jahre alten, ehemaligen Wasserversorgungsanlage des Ortes gespeist. Wie ehedem treibt ein Wasserrad im Gröbenbach die alte originale Pumpe an, die das Wasser aus dem Flachbrunnen holt. Das alles funktioniert noch einwandfrei und wird vom Wasserbeschaffungsverband, der nach wie vor Besitzer der Pumpenanlage ist, in Gang gehalten.

Das Werk kann so zu Recht als dörfliche Anlage bezeichnet werden, die dem Charakter des Dorfes entspricht.

Zwei Schulkinder, Claudia Neumüller und Bettina Ebi, haben das folgende von Christine Pangerl verfasste Gedicht zur Einweihung der Brunnenanlage vorgetragen:

In Puchheim-Ort is heut was los,

die Zahl der Gäste is recht groß,-

komm, Claudia, wir wollen’s wag’n

und auch a paar Wörterl dazu sag’n!

Mitten ins Dorf, glei zwei Brunnen fein,

hat g’stiftet der Gartenbauverein.

Die Ortler hab’n weit voraus g’schaut

und scho 1936 a Pumpwerk dafür ‚baut.

Wo’s Wasser springt aus’m Stein,

das soll der Josef-Wörl-Brunnen sein.

Auf ei’m Taferl is sein Namen, zu les’n

ich weiß, er is ein ganz tüchtiger Mann g’wes’n.

Über a Brückerl geht’s zum Ent’nbrunna,-

da is scho viel Wasser runter g’runna.

Die Ent’n da, die is aber grau !

Wie lang die scho wart auf d’Weih‘,

des weiß i nit g’nau.

Schluß mit’m Red’n, san ma g’scheit,

dann gibt’s bald a zünftige Brotzeit !

Halt!

Aber ein Dankschön woll’n wir noch sag’n

all’n, die zur Verschönerung unseres Dorfes beitragen !